Wollen wir wirklich Kreativquartier?

13. Februar 2012 von KommentierenEmpfehlen  

Wie schon oft von verschiedenen Seiten zu hören war, ist die Tabakfabrik zu groß für nur eine Nutzung. Auch jedes Einzelgebäude ist zu groß für eine monokulturelle Verwendung und sollte von Menschen aus unterschiedlichen Bereichen genutzt werden. Die Nutzungsstrukturen sollten möglichst pluralistisch und vielfältig und nicht elitär sein. Eine städtische heterogene Mischung mit Unvorhersehbarem, Spannendem, Synergieeffekten….

Foto: Ladenkast, remyveenhuizen.nl

Foto: Ladenkast, remyveenhuizen.nl

Die Tabakfabrik als urbaner Ort, als Stadt in der Stadt, aber somit auch mit den Nachbarn, die man noch nicht kennt, den Nachbarn, die komplett anders arbeiten und leben als man selbst, den Nachbarn, die man nicht lieben muss, aber die auch einen Beitrag zum Leben in der Stadt Tabakfabrik und somit der Stadt Linz leisten.

Somit ganz nach Walter Siebel, für den die urbane Stadt ein „Ort der Begegnung mit dem Fremden“ ist, sie zeichnet sich dadurch aus, dass es hier möglich ist, „überraschende Erfahrungen zu machen“, „also zu lernen und so sich auch zu verändern.“

Stadt ist also vor allem eines: Verdichtete Unterschiedlichkeit.

Und wieder lohnt der Blick nach Berlin, genauer in den Wedding zur ExRotaprint: Nur ein Drittel des Geländes wird an sogenannte Kreative vermietet. Der Rest geht zu gleichen Teilen an soziale Träger und produzierendes Gewerbe, aktuell an zwei Tischlereien, einen Hersteller von Neoprenanzügen und einen Verein, der Deutschkurse für Migranten anbietet:

„Wir wollten in keiner Monokultur arbeiten. Sondern den Leuten im Bezirk Raum geben. Schließlich verdanken wir ihnen das Gelände. Sie haben den Preis gedeckelt.“

Insgesamt arbeiten rund 300 Leute auf dem Gelände. Die Mieten liegen zwischen 3 und 4,50 Euro pro Quadratmeter. Das Mischnutzungskonzept ist im für 99 Jahre Erbbaurechtsvertrag festgeschrieben.

Daniel Behrens vom Frappant e.V. hat es bezüglich des Nutzungskonzepts für die Viktoria-Kaserne in Hamburg-Altona auf den Punkt gebracht:

Sie „soll von Unterschieden geprägt sein“ und: „Wir möchten kein ,Kreativcluster‘ sein, sondern ein heterogener Haufen.“

Eventuell ist aber auch die anfängliche Frage falsch gestellt. Müsste diese nicht eher heißen was sind für uns Kreative? Dabei möchten wir nochmals auf den Gastbeitrag von Thomas Duschlbauer und seines Unterscheidung zwischen Kreativwirtschaft und dem kreativen Wirtschaften verweisen.

Das Ziel muss auf jeden Fall eine Balance zwischen „Konkurrenz und Kooperation, interner Verflechtung und Offenheit nach außen, Vertrauen und Fremdheit, Tradition und Neuem“ sein.

Mehr zur Situation in Berlin: „Wie viele Kreative verträgt die Stadt?

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